Aus der 150jährigen Geschichte des zweitältesten Vereins der Stadt Bad Neustadt/S.
„ Es war im Jahre des Heils 1850 am St.–Josefs–Tage,
als eine Anzahl von 19 wackren Leuten im Bauer’schen
Bierlokale Haus-Nr. 328 am Marktplatze* dahier beim
fröhlichem Gelage zusammen saß. „
*) (heute Sebastian-Schmitt)
Als der ehemalige Musikmeister und Gerichtsdiener „Georg Engel“ den sangesfrohen Männern Mozarts Lied „Brüder reicht die Hand zum Bunde“ anstimmte, war der erste Schritt zur Vereinsgründung getan.
Wie ernst es die ersten Sänger meinten, beweist die Tatsache,
„ dass jeder der Neunzehn je drei Kreuzer (= € 0,05) für die
Beschaffung von Gesangsnoten zahlte und fernerhin
sich zu solcher monatlichen Zahlung verpflichtete. “
Aus der ursprünglichen Geselligkeit entwickelte sich der „GV Liedertafel“, der sich den Wahlspruch „Friede, Freiheit, Fröhlichkeit“ erkor. Unter der Leitung des 1. Vorstandes Adam Schmitt und des Dirigenten Andreas Kraus blühte der junge Verein auf und konnte bereits am zweiten Sonntag nach Ostern 1850 vier Lieder auf der Salzburg vortragen.
Schon im dritten Jahr seines Bestehens musste der „GV Liedertafel“ hinnehmen, dass man ihm politisches Streben unterstellte. Die Auswirkungen des Revolutionsjahres 1848 wirkten so nachhaltig, dass der Landgerichtsvorstand Otto Welsch die Gemeinschaft kurzerhand auflöste. Nun schlummerte die Vereinstätigkeit vier Jahre lang, bis „der den Sänger nicht hold gesinnte Gestrenge durch den Tod abberufen wurde“. An dessen Stelle trat nun ein Mann, der den Gesang liebte und förderte. Der „GV Liedertafel“ erwachte aus dem Schlummer und unter seinem bewährten Vorstand Adam Schmitt blühte der Verein nun unter dem Namen „Sängerkranz“ wieder auf.
Neben der Pflege des deutschen Liedes wurden besonders auch die Geselligkeit und der Frohsinn gepflegt.
Die Chronik berichtet von „fröhlichen Kneipenabenden nur für Herren“ und „von solchen für Herren und Damen“, wie sie alljährlich stattfanden und sich zu „lang anhaltenden Singproben“ ausdehnten.
Mit Begeisterung und Hingebung wurden auch immer wieder Theateraufführungen dargeboten, die von den Bewohnern des ganzen Städtchens gerne besucht wurden. Es kamen Aufführungen kleiner Opern, Operetten, ein- und mehraktigen Lustspiele
und auch Singspiele. Diesen Veranstaltungen schlossen sich Masken- und Kirchweihbälle, Maitänze, Waldpartien und Gartenfeste an. Besonders waren es aber die Chorkonzerte im Zusammenwirken mit den Musikkapellen, die sich von den mehr gesellschaftlichen Veranstaltungen abhoben. Sogar größere Musikwerke konnte der Sängerkranz mit Unterstützung der damaligen Präparandenschule aufführen. Hervorzuheben wäre hier „Die Schöpfung“ von Haydn und „Die Glocke“ von Romberg.
Es ist erbaulich, in der Chronik zu lesen, mit welcher Begeisterung sie im Gemeinschaftsgeist gefeiert und welch nachhaltiger Eindruck hinterlassen wurde. So hat der Sängerkranz durch viele Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben unseres Saalestädtchens mitgeprägt. Als Zeichen der Zusammengehörigkeit stickten 1858 nach dem Entwurf des Malers Leopold Engel mehrere Damen des Vereins die grün-weiß-grüne Fahne, die fortan das Symbol des Sängerkranzes sein sollte. |